Mr. Hayden wurde abgehört (#haydenacela)

Wenn’s nicht so traurig wäre, könnte man herzhaft darüber lachen: Mr. Hayden wurde abgehört.

Nicht irgend ein Mr. Hayden, sondern der ehemalige NSA-Chef Michael Hayden:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/ex-nsa-chef-michael-hayden-wurde-im-zug-belauscht-a-929942.html
Da führt man im Zug ein paar vertrauliche Hintergrundgespräche, und ein linker Aktivist 3 Reihen weiter posaunt per Twitter halbverstandene Lügen in die Welt hinaus. Skandalös!

Ich hätte auch fast Mitleid mit dem armen Mr. Hayden, würde die Geschichte nicht so schön demonstrieren, was Überwachung bedeutet… was sie mit uns macht. Und was die Überwacher aus uns machen:
1.: Man fühlt sich unbeobachtet und sicher… ist es aber nicht. Mr. Hayden hat sich in diesem Zug sicher gefühlt… sonst hätte er keine vertraulichen Telefongespräche geführt. Tja… diese Sicherheit war eine Illusion. Ein böses Erwachen: Es wurden Dinge über ihn bekannt, die Mr. Hayden gerne
geheim gehalten hätte (neben den Inhalten der Gespräche auch die Tatsache, dass er es mit der Vertraulichkeit seiner Informationen nicht so genau nimmt. Und dass er gerne unter “früherer Regierungsvertreter” firmiert)
2.: Man verhält sich anders, wenn man beobachtet / überwacht wird: Mr. Hayden hätte sich sicher anders verhalten, wenn er gewusst hätte, dass jemand Interesse an ihm und seinen Telefonaten hat. Er hätte sich vielleicht auf die Toilette zurückgezogen. Oder gar nicht telefoniert.Oder er hätte manche Dinge anders formuliert oder gar verschwiegen.
“Es ist ein schleichendes Gift in den Köpfen, wenn die Bürgerinnen und Bürger bei jedem Telefonat fürchten müssen, dass der Große Bruder womöglich mithört.”… so nennt es die scheidende BMJ
Leutheusser-Schnarrenberger in der Passauer Neuen Presse (http://www.bmj.de/SharedDocs/Interviews/DE/Printmedien/20131026_USA_fehlt_Balance_von_Sicherheit_und_Freiheit.html)
3.: Ein Überwacher versteht Dinge falsch. Na sowas… eine Interessante Erkenntnis für einen ehemaligen Geheimdienstler. Natürlich verstehen Überwacher Dinge falsch – und bringen damit die Überwachten gerne mal in Teufels Küche. Siehe z.B. die Episode mit dem “schwarzen Beutel” in Anna Roth’s Resümee ihrer Erfahrung als Überwachte: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/bitte-recht-freundlich
4.: Überwachungsergebnisse lassen alte “Erkenntnisse” im neuen Licht erscheinen: Mr. Hayden lässt sich hier als “früherer Regierungsvertreter” zitieren. Nach der Überwachung im Projekt #hadyenacela weiss jetzt ganz Washington, dass Mr. Hayden eine mögliche Quelle für manche vergangene Indiskretion unter “früherer Regierungsvertreter” in Frage kommt. Das könnte ihm unangenehme Fragen einbringen. Oder ihn zukünftig aus dem einen oder anderen Informationsfluss ausschließen.

Eine bittere Medizin, von der Mr. Hayden hier unfreiwillig kosten durfte. Seine eigene Medizin.
Hoffentlich nützt’s was: Gute Besserung, Mr. Hayden!

 

 

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